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7th Week Sabbatical-Arbeitsrhythmus: Wie und warum es funktioniert

„Workaholics? Ich mag den Begriff eigentlich nicht. Vor allem, weil darin diese negative Vorstellung mitschwingt, dass Arbeit etwas Stresserfülltes sein muss.“

Routinen helfen uns dabei, produktiver zu werden. Diese Erkenntnis gilt nicht nur für den täglichen Arbeitsalltag, sie lässt sich auch auf längerfristiges Zeitmanagement übertragen. Tringular zum Beispiel hat sich dafür entschieden, einen siebenwöchigen Arbeitsrhythmus einzuführen, bei dem die siebte Woche von allen im Unternehmen für ein terminfreies Sabbatical genutzt wird.

Man kann es sich wie einen sehr langen Sprint vorstellen: Unser 7-Wochen-Zeitraum dauert bei uns 6 + 1 Woche. In den ersten sechs Wochen wird regulär gearbeitet, mit Kundenterminen, Workshops und Deadlines. Die siebte Woche hingegen ist komplett termin- und abgabefrei.


Die ersten 6 Wochen

Der Rhythmus beginnt mit einer Planungsrunde, in der wir die Ziele und größeren Aufgabenblöcke für den kommenden 7-Wochen-Zeitraum besprechen und festlegen. In Vorarbeit dazu findet ein grobes Backlog Grooming statt, das während der Planung gemeinsam verfeinert wir. Wir fokussieren also unsere Aufgabenliste, überlegen, was in die nächsten sieben Wochen darf oder soll und kicken auch rigoros Aufgaben und alte Ideen raus.

Nachdem wir unser Ziel für die kommenden sieben Wochen festgezurrt haben, definieren wir ein bis drei OKR (Objectives & Key Results). Das heißt, wir setzen uns für jeden 7-Wochen-Zeitraum ein qualitatives und zwei bis drei daraus abgeleitete, quantitativ messbare Ziele, die wir in diesen sieben Wochen erreichen wollen. Diese ambitionierten Ziele halten wir auf (meist) wöchentlicher Basis nach und freuen uns, wenn wir am Ende etwa 80% davon erreicht haben (schließlich waren es ja ambitionierte Ziele!).

Jeder 7-Wochen-Zeitraum endet mit einer ausführlichen Retrospektive, in der wir die vorangegangenen Wochen besprechen, klären, was gut lief und wo es Probleme gab, die gelöst werden sollen. Für den nächsten 7-Wochen-Zeitraum picken wir uns die zwei bis drei wesentlichen (weil schmerzhaftesten oder verheißendsten) Verbesserungen dieser internen Nabelschau heraus und setzen sie in der Praxis um.

Während dieser Zeit finden auch mehrere Planungsrunden und Mini-Retros in kürzeren Abständen, meist wöchentlich, statt.

Auch wenn es mit sieben Wochen ein überlanger Zeitraum ist: Die wesentliche Struktur werden die meisten agil arbeitenden Menschen wiedererkennen. Sie lehnt sich stark an bekannte Frameworks wie Scrum und OKR an. Am Ende der sechs ersten, „normalen“ Wochen folgt jedoch unsere siebte, terminfreie Woche, die etwas mehr Erklärung bedarf…


So läuft das 7th Week Sabbatical bei Team Tringular ab

Die Sabbatical-Woche

„Wenn mich das Leben nur ein, zwei Wochen in Ruhe lassen würde, könnte ich endlich mal aufholen.“ - oder- „In einer Woche ohne Ablenkungen könnte ich so viel schaffen.“

Kommen Ihnen diese Gedanken bekannt vor? Das ging uns auch so... Deswegen ist die siebte Woche in unserem Arbeitsrhythmus eine Sabbatical-Woche. In dieser Woche nehmen wir uns frei, und zwar von Verpflichtungen. Das heißt, wir haben keine Workshops, Termine oder andere Deadlines.

Die Sabbatical-Woche ist als wiederkehrender Block fest in unserem Kalender eingeplant. Wir nehmen uns für diese Zeit nichts fest vor – wir sammeln lediglich Inspirationen für Projekte und schöne Dinge, denen wir uns während des Sabbaticals widmen möchten. Jedoch nur, wenn wir das am jeweiligen Tag tatsächlich wollen. Das kann ein Besuch in der Sauna sein oder auch der Pomodoro-Flow-Timer, den Inga in JavaScript programmieren will, oder ein neues Set eStatics, das für einen kommenden Workshop ganz in Ruhe entworfen wird. Es darf in diesen sieben Wochen alles angepackt oder auch sein gelassen werden: Projekte angehen, ein paar Tage wegfahren, Bücher lesen, Netflix bingen, das Whiteboard mit Ideen zupflastern, sich beim Sport austoben, und ja, auch Kundenarbeit.

„In der siebten Woche darf ich mir Zeit nehmen. Ich darf mich ausschließlich in den Sachen tummeln, die ich gerade an dem Tag wirklich gerne machen möchte.“

Während der siebten Woche gibt es für jeden Tag genau einen Task: Nur das machen, was wir machen wollen. Der leere Terminkalender macht uns nämlich genau dafür den Kopf frei. So können wir Projekte in Angriff nehmen, die im alltäglichen Wahnsinn unter den Tisch fallen, oder uns einfach mal ohne Zeitbeschränkungen in eine Aufgabe vertiefen und im Flow daran arbeiten. Gerade in der siebten Woche entstehen so oft die außergewöhnlichsten Ideen und schönsten Projekte. Und wenn wir in unserer Sabbatical-Woche morgens aufwachen und einfach nur den ganzen Tag auf der Couch liegen und „Unser blauer Planet“ gucken wollen – dann ist das auch okay. Wer sich erlaubt, auch mal nicht auf 100% zu laufen, schont seinen Akku und ist schneller wieder „geladen“.

Seit Mitte 2018 ist der 7th Week Sabbatical-Arbeitsrhythmus der Modus Operandi bei Tringular und bis jetzt hat sich diese Art des Zeitmanagements für uns wirklich gelohnt. Natürlich ist die Umsetzung dieses Konzeptes nicht immer einfach. Da ist der Kunde, der nur in dieser spezifischen Woche Zeit hat, oder das Finanzamt, das bei Monatsabschlüssen und Umsatzsteuervoranmeldungen nun mal keine Sabbaticals kennt. Das heißt, ganz hin und wieder schummeln wir auch mal. Aber beim 7th Week Sabbatical-Rhythmus geht es um „the long game“, also darum, langfristig produktiver, inspirierter und ausgeglichener zu sein. Und wir können nach anderthalb Jahren und bald einem Dutzend Sabbaticals bestätigen, dass es tatsächlich funktioniert.

Die Idee

Die Idee hinter dieser Art des Zeitmanagements stammt übrigens von Sean McCabe, dem Gründer von seanwes. Sean war das Paradebeispiel eines „Workaholics“ - und zwar bis zum Burnout. Erst dann hat er realisiert, dass es so nicht weitergeht. Seine Lösung hat er durch den TED Talk The power of time off gefunden. In diesem TED Talk spricht Stefan Sagmeister darüber, wie es ist, sich alle sieben Jahre ein Jahr frei zu nehmen. Sean hat diese Idee seinen Bedürfnissen angepasst, entschieden, aller sieben Wochen eine Woche frei zu nehmen, und hat diese Idee auf sein gesamtes Team ausgerollt.

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